Umkleidezeit für besonders auffällige Dienstkleidung als Arbeitszeit

Zählt das An- und Ausziehen der Arbeitskleidung als Arbeitszeit?

In vielen Betrieben gibt es einheitliche Arbeitskleidung. Auch in vielen Bäckereien. Doch ist diese Zeit Arbeitszeit und muss diese somit dem Arbeitnehmer bezahlt werden?

Eine Arbeitgeberin des öffentlichen Personennahverkehrs begehrte vor Gericht die Feststellung, dass Umkleide- und Wegezeiten des Fahrpersonals zwischen dem Fahrzeug und dem Betriebshof keine Arbeitszeiten sind und dem Betriebsrat hier keine Mitbestimmungsrechte zustehen.

Zu Unrecht, wie das Bundesarbeitsgericht befand. Diese Zeiten gehören zur vertraglich geschuldeten Arbeitsleistung und damit zur betrieblichen Arbeitszeit, wenn das Umkleiden einem fremden Bedürfnis dient und nicht zugleich ein eigenes Bedürfnis erfüllt. Das ist jedenfalls dann der Fall, wenn

  • über die Dienstkleidung die Möglichkeit einer Zuordnung zum Arbeitgeber besteht und
  • eine Umkleidemöglichkeit im Betrieb genutzt wird.

Zur Arbeitszeit zählt dann auch das Zurücklegen des Wegs von der Umkleide- zur Arbeitsstelle. Anders ist es, wenn die Arbeitnehmer sich entscheiden, die Dienstkleidung nicht im Betrieb, sondern zuhause an- und abzulegen. Dann ist das Tragen der Dienstkleidung auf dem Weg nicht ausschließlich fremdnützig.

Urteil Bundesarbeitsgericht: BAG, Beschl. v. 17.11.2015, 1 ABR 76/13, NZA 2016, S. 247, LEXinform 5214612.

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